Viele Schülerinnen und Schüler erhalten in der Grundschule einen Lesepass, der sie motivieren soll mehr zu lesen oder der einfach nur dokumentieren soll wie viel beziehungsweise wie wenig das Kind gelesen hat. Manchmal wird dies mit einer Belohnung verknüpft, die das Kind erhalten soll, wenn es eine bestimmte Menge Bücher oder eine bestimmte Zeit lang gelesen hat.

Würdest du es mögen einen Lesepass zu führen?

Stell dir mal vor, du hättest einen solchen Lesepass und müsstest von nun an alles eintragen, was du liest. Diesen Artikel zum Beispiel. Sobald du ihn zu Ende gelesen hättest, müsstest du in deinem Lesepass das heutige Datum und den Titel dieses Textes eintragen. Welche Gedanken würden dir dabei durch den Kopf gehen? Würdest du dich überwacht fühlen? Hättest du Angst vor möglichen kritischen Äußerungen bezüglich deines Leseverhaltens?

„Was hast denn du da wieder gelesen?“
„So wenig hast du heute gelesen?“
„Was? Am Wochenende hast du drei Stunden lang gelesen? Wann kommst du denn deinen ganzen anderen Verpflichtungen nach?“

Motivation klingt für mich anders. Auch sehe ich im Lesepass an sich nichts motivierendes. Oder würdest du es als Anreiz empfinden, das Ding endlich voll zu haben? Und was kommt danach? Darf man dann nie mehr lesen oder bekommt man gar einen neuen Lesepass?

Lesen sollte Spaß machen

Meiner Meinung nach sollte Lesen reines Vergnügen sein. Okay, ich gebe zu, manchmal ist es auch einfach nur praktisch, wenn man lesen kann. Wenn man beispielsweise Anleitungen befolgen möchte, Fahrkartenautomaten bedienen muss oder Warnhinweise verstehen möchte. Aber im Großen und Ganzen lesen wir doch, weil wir uns aus freien Stücken informieren möchten oder weil wir einfach Lust auf ein gutes Buch haben.

Genau so sollte es auch beim Kind sein.

Lesepass ade – Willkommen in der Freiheit!

Kinder wollen lesen und Kinder sollten die Freiheit bekommen zu lesen was ihnen gefällt. Wann sie wollen, wo sie wollen und so viel sie wollen. Es ist okay, ihnen leichte Anregungen zu geben. Schau dir dazu gerne auch meine Artikel „Kinder wollen lesen lernen“ und „Leseaufträge – mit Freude lesen lernen“ an. Dies sollen aber weiterhin nur Anregungen bleiben. Die eigentliche Motivation und das Interesse sollten aus dem Kind heraus kommen und nicht durch irgendwelche äußeren Zwänge übergestülpt werden.

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