Puh, endlich Sommerferien. Ein anstrengendes Schuljahr liegt hinter uns. Die Coronakrise hat es uns nicht gerade einfacher gemacht. Für alle Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer bedeutete sie eine große Umstellung und Herausforderung. Nun gehen wir in die wohlverdienten Ferien.

Doch eines kann ich euch gleich verraten: Unsere Kinder werden weiterhin lernen. Es ist ihr natürlicher Drang ständig hinzu zu lernen. Dieser Drang richtet sich nicht nach irgendwelchen Ferienzeiten, sondern ist kontinuierlich gegeben. Was ich damit meine ist nicht zwingend der Drang zu rechnen oder zu schreiben. Dies kann vorkommen, muss aber nicht. Nein, es handelt sich vielmehr um den Drang genau das zu erlernen, was das Kind gerade brennend interessiert.

Interessensgesteuertes Lernen in den Sommerferien

Wofür interessiert sich dein Kind im Moment besonders? Korbblütler? Waschbären? Oder vielleicht das Knüpfen von Armbändern? Jetzt hat dein Kind die Zeit und die Möglichkeit sich ganz intensiv mit seinem Thema auseinanderzusetzen! Niemand verlangt von ihm öde Buchstaben zu Papier zu bringen, wo es doch gerade dieses unheimlich coole neue Muster knüpfen wollte. (Und dabei ganz nebenbei auch seine Feinmotorik trainiert.) Niemand zwingt dein Kind früh aufzustehen, wo es doch am liebsten die halbe Nacht lang dieses unheimlich spannende neue Buch lesen wollte. (Und dabei seine Lesefähigkeiten festigt und seinen Wortschatz vergrößert.) Niemand unterbricht dein Kind nach 45 Minuten, wo es doch gerade erst richtig in Fahrt gekommen ist und nun wirklich noch ein paar Seiten an seinem Roman schreiben möchte. Kein Mensch versucht dein Kind zum still sitzen in einem engen Klassenraum zu bringen, wo es doch gerade viel lieber das Leben der Wassertierchen im Fluss beobachten möchte. Und gleich danach einen Staudamm bauen will! Oder ein Boot aus Naturmaterialien fahren lassen möchte. Was man dabei alles lernen kann!

Lernbegleiter sein

Es liegt an uns, unser Kind zu begleiten und zu unterstützen. Dies beginnt mit der Frage: Wofür interessiert sich mein Kind zur Zeit? Manchmal ist es ganz einfach dies herauszufinden, da unser Kind seine Interessen quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Zum Beispiel indem es den ganzen Tag von nichts anderem spricht. Manchmal ist es aber gar nicht so einfach die wahren Interessen zu erkennen. Möglicherweise auch deshalb, weil das Kind selber nicht so genau weiß, wohin die (Lern-)Reise geht. In diesem Fall können wir ihm Anregungen geben. „Wollen wir gemeinsam diese Ausstellung besuchen?“ „Magst du mit mir in den Wald gehen? Ich würde gerne das alte Fernglas ausprobieren.“ „Wollen wir gemeinsam kochen? Worauf hast du Lust?“

Haben wir ein Interesse erkannt, so können wir unserem Kind nun die Zeit und die Gelegenheit geben, dieses Interesse stärker auszuleben. Hierzu gibt es unzählige Möglichkeiten: Vielleicht findet gerade ein Kurs zu diesem Thema statt? Könnt ihr ein Museum oder eine Ausstellung hierzu besuchen? Gibt es Bücher darüber in der Bücherei? Wie und wo könnte man das Interesse ausleben? Kennst du vielleicht einen Experten in deinem Umfeld, der deinem Kind etwas zum Thema zeigen oder erklären könnte? Könnt ihr gemeinsam ein Experiment hierzu durchführen?

Wenn Kinder sich im Thema verlieren

Manchmal kommt es vor, dass sich ein Kind sehr stark in seinem Thema verliert. Es scheint dann überhaupt keine anderen Dinge mehr an sich ran zu lassen. Plötzlich möchte es von morgens bis abends lesen, weil diese neu entdeckte Buchreihe absolut phantastisch ist. Oder es sitzt stundenlang am Computer um zu programmieren. Vielleicht zieht es auch täglich von morgens bis abends mit seinen Freunden durch die Gegend. Aber hey, wer weiß, ob es dabei nicht neue Bewegungsabläufe lernt. Vielleicht kann es bald Einrad fahren, weil es eben dies von seinen Freunden gelernt hat.

Wir sollten uns freuen, dass unser Kind jetzt die Chance ergreift sich so intensiv in ein Thema einzuarbeiten. Wann sonst hat es die Zeit dazu?

In diesem Sinne wünsche ich euch lehrreiche, sonnige Sommerferien!

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