Einer meiner Geschichtslehrer sagte damals zu uns: „In Geschichte geht es stets um Geld oder um Macht oder um beides.“ Und tatsächlich ging es in seinem Geschichtsunterricht immer nur um Geld oder um Macht oder um beides. Wir Schülerinnen und Schüler konnten leicht den Eindruck erhalten, in der Vergangenheit hätte ständig Krieg geherrscht. Für das Schulfach Geschichte musste ich eigentlich nur das eine lernen: Wann kämpfte wer gegen wen? Und warum?

Ich gebe es ehrlich zu: Das Fach Geschichte machte mir keinen Spaß und ich war fest davon überzeugt, dass es mir nicht liegen würde. Ja, ich glaubte sogar, dass es mich auch in Zukunft niemals interessieren würde. Doch damit lag ich falsch.

Geschichtsunterricht, der mich interessiert hätte

Was war schiefgelaufen? Aus dem Geschichtsunterricht, wie er mir damals begegnete, konnte ich nichts für mich mitnehmen, da er keinerlei Anknüpfungspunkte zu meinem eigenen Leben bot. Später jedoch merkte ich, dass es durchaus geschichtliche Themen gab, die mich brennend interessierten. Zum Beispiel diese:

  • Wie lebten die Menschen eigentlich in den unterschiedlichen Epochen? Wie sah ihr Tagesablauf aus? Wie erging es den Frauen und den Kindern? Und wie unterschied sich ein Leben in Reichtum von einem in Armut?
  • Wie entwickelten sich die Frauenrechte im Laufe der Zeit?
  • Wie veränderte sich das Leben der Menschen durch bestimmte Erfindungen? Hiermit meine ich nicht bloß technische Erfindungen, sondern auch Neuerungen in der Medizin, Entdeckungen in der Chemie oder Biologie, usw.
  • Wie veränderten sich die Kunst und die Architektur im Laufe der Zeit? (Das Fach „Kunstgeschichte“ hätte mich sicherlich wesentlich stärker interessiert als das Fach „Geschichte“.)

Der Lehrplan und der Lehrer

Heute weiß ich, dass meine damaligen Geschichtslehrer an Lehrpläne gebunden waren, die ihnen möglicherweise nur wenig Spielraum ließen. Kann ich ihnen also einen Vorwurf machen? Vielleicht sollte meine Kritik vielmehr den Kultusministerien der Länder gelten, die die Lehrpläne erstellen. Ich wünschte, sie würden sich Gedanken darüber machen, wie man den Schülerinnen und Schülern vermitteln kann, dass die geschichtlichen Vorgänge tatsächlich etwas mit ihrer heutigen Lebensweise zu tun haben. Denn wenn die Schülerinnen und Schüler Anknüpfungspunkte zu ihrem eigenen Leben finden, werden sie viel eher einen Sinn im Unterrichtsfach Geschichte sehen, und aus auswendig gelernten Jahreszahlen werden plötzlich Inhalte, die nicht nur ihre Berechtigung finden, sondern möglicherweise dazu anregen, darüber nachzudenken, wie wir aus den Geschehnissen von damals gute Schlüsse für das Leben von heute ziehen können.

Beim Lesen der aktuellen Lehrpläne habe ich übrigens festgestellt, dass gewisse von mir gewünschte geschichtliche Themen durchaus im Lehrplan auftauchen. Doch in der Regel bilden sie eher die kleinen Randbereiche. Im Mittelpunkt stehen nach wie vor die alten Themen. Auch fordert der Lehrplan die Herstellung von Gegenwartsbezügen, was ich überaus begrüße.

Doch inwieweit setzen die Lehrerinnen und Lehrer dies um? Was sind deine Erfahrungen? Berichte mir gerne von deinen Erlebnissen und Gedanken hierzu in den Kommentaren!

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